Wer einmal lügt...

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Wer einmal lügt...

Beitragvon Britta » Sonntag 27. Oktober 2013, 19:13

Nachdem John Kerry von Putin bereits als Lügner bezeichnet wurde, ist nun President Obama gleich ein paar mal beim Lügen erwischt worden.

Vor den Bundestagwahlen war bereits bekannt geworden, dass die bundesdeutschen Parlamentarier in großem Stil abgehört wurden. Die US-Regierung versicherte damals, man habe sich an deutsches Recht gehalten und die Kanzlerin gab sich damit zufrieden. Nun kommt raus, dass man sie rundherum abgehört hat und Obama erklärte am Mittwoch bei einem Telefongespräch, dass er nichts davon gewusst habe und er entschuldigt sich.

Als ich das im Radio hörte, musste ich lachen. Wer hat das denn geglaubt? :D

Weil ja wistleblowing gerade in ist, hielt die Lüge auch nicht lange. Prompt findet sich jemand, der es besser weiß und schon steht der amerikanische President als Lügner da. War aber nicht das erste Mal, dass er gelogen hat. Sehen wir uns mal seine Rede von 2009 an:

http://www.whitehouse.gov/the_press_off ... structure/

Let me also be clear about what we will not do. Our pursuit of cybersecurity will not -- I repeat, will not include -- monitoring private sector networks or Internet traffic. We will preserve and protect the personal privacy and civil liberties that we cherish as Americans. Indeed, I remain firmly committed to net neutrality so we can keep the Internet as it should be -- open and free.


Gemessen an der inzwischen bekannten Realität, wird das ganze Ausmaß der Lügen deutlich. Nixon musste wegen viel geringeren Vergehen zurücktreten. Klar, Obama hat das Abhörprogramm von Bush geerbt, aber er fand es wohl zu praktisch und nützlich um es abzuschaffen. Es ist ja auch recht praktisch, wenn man vor Gesprächen alle Argumente und Interessen des Verhandlungs-"Partners" kennt.

Es wird wohl in der nächsten Zukunft noch jede Menge Wistleblower geben, die sich trauen mit ihrem Wissen an die Öffentlichkeit gehen. Das ist wohl immer dann der Fall wenn Menschen sich erinnern was Demokratie denn wirklich bedeutet und feststellen, dass das was sie in ihrem Job tun antidemokratische Verhältnisse fördert.
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Re: Wer einmal lügt...

Beitragvon Der Neandertaler » Sonntag 27. Oktober 2013, 21:12

Hallo Britta.
Britta hat geschrieben:... ist nun President Obama gleich ein paar mal beim Lügen erwischt worden.
Liebes, ist er das?
Grundsätzlich bin ich bei Veröffentlichungen, welche von 'offizieller' Seite herausgegen werden, genauso wie wie bei denen sie kritisierende Veröffentlichungen, sehr zurückhaltend ... ich sehe sie kritisch.

Du gehst unvermittelt davon aus, daß Obama gelogen hat, als er diese Lauschangriffe verneinte, bzw. sein Nicht-Wissen darüber betont hat. Vielleicht hat er gelogen. Vielleicht hat NSA-Chef Keith Alexander ihn damals persönlich über die Geheimoperation informiert. Vielleicht hat Obama gegenüber einem hochrangiger NSA-Mitarbeiter gesagt, daß die Aktion nicht mehr gestoppt werden soll - daß sie weiter laufen soll. Keiner weiß dies genau. Außer Obama und dieser NSA-Mitarbeiter, bzw. der NSA-Chef. Wer Lügt denn nun?
Ok, Du gehst davon aus - vielleicht mit einigem Recht sogar, daß der, der einmal lügt, daß man demjenigen nicht glaubt ... glauben darf, auch wenn er danach 1000-mal die Wahrheit spricht.
sagt ja schon - mit Recht - ein Sprichwort.
Nach Bush jun. ist dies auch nicht von der Hand zuweisen. Auch ich bin dem gegenüber sehr skeptisch. Aber beweisen kann ich es zu diesem Zeitpunkt genauso wenig wie Du.
Auch der NSA-Mitarbeiter kann gelogen haben. Weiß man's?

Gehen wir mal kurz davon aus, daß Obama die Wahrheit gesagt hat, der NSA-Mitarbeiter gelogen hat - warum auch immer, dies würde bedeuten, daß Obama seinen Haufen nicht im Griff hat. Die entsprechenden US-Geheimdienste sind teilweise so geheim ... sie opperieren teilweise so geheim, daß auch zeitweise die jeweilige Regierung nicht in alle Details eingeweiht ist. In der Geschichte der USA gibt es wohl einige Beispiele dafür, daß der CIA für Attentate verantwortlich ist, daß er gegenüber hochrangigen Politikern aggierte - ohne, daß die jeweilige US-Regierung alles gewußt hat ... teil- und zeitweise wollte sie es vielleicht auch nicht so genau wissen.
Britta hat geschrieben:Es wird wohl in der nächsten Zukunft noch jede Menge Wistleblower geben, die sich trauen mit ihrem Wissen an die Öffentlichkeit gehen.
... oder Menschen, die meinen die Wahrheit zu verkünden. Nach dem Motto, daß etwas von dem vielen Dreck, den sie schmeißen, wird einiges wohl hängen bleiben.
etwas wird wohl dran sein ... irgend einen Mist wird er wohl verbockt haben.
Auch ein hiesiger Untersuchungsausschuß hat selten das hervorgebracht und das bestätigt, für dies Thema, für welches er eingerichtet wurde.
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Re: Wer einmal lügt...

Beitragvon Elfer » Dienstag 29. Oktober 2013, 22:31

Es macht keinen Unterschied, ob Obama versagt, weil sein Geheimdienst ohne sein Wissen "befreundete" Regierungen abhört oder weil er davon wußte.

Obama macht schon lange deutlich, dass er wenig Interesse an Europa hat (es sei denn, er braucht gerade mal deren Unterstützung), aber gar kein Interesse an Deutschland. Damit dürfte er bei all dem eine Leckmich-Haltung an den Tag legen.

Obama scheitert gerade an seinem größten Problem, an Obama.

Vor den Bundestagwahlen war bereits bekannt geworden, dass die bundesdeutschen Parlamentarier in großem Stil abgehört wurden. Die US-Regierung versicherte damals, man habe sich an deutsches Recht gehalten und die Kanzlerin gab sich damit zufrieden.


Damit müsste die deutsche Regierung eine kriminelle Vereinigung sein oder müsste extremistischen bzw terroristischen Kreisen angehören.

Obama ist am Ende und muss nun entweder China auf seine Seite bringen oder den Rest Europas gegen Deutschland aufbringen. Bei den Briten hat er dabei ja traditionell gute Karten.

Diese Affäre zeigt, welche "Freunde" wirklich Freunde sind.
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Re: Wer einmal lügt...

Beitragvon ralfkannenberg » Mittwoch 30. Oktober 2013, 10:34

Elfer hat geschrieben:Diese Affäre zeigt, welche "Freunde" wirklich Freunde sind.

Hallo Elfer,

mal im Ernst: meinst Du, "unsere Leute" hören die Vereinigten Staaten nicht ab ?


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Re: Wer einmal lügt...

Beitragvon Der Neandertaler » Mittwoch 30. Oktober 2013, 15:43

Hallo Elfer.
Elfer hat geschrieben:Es macht keinen Unterschied, ob Obama versagt, weil sein Geheimdienst ohne sein Wissen "befreundete" Regierungen abhört oder weil er davon wußte.
Stimmt schon! Im Endeffekt ist es das Gleiche. Mir ging und geht es auch weniger darum, den Einzelnen und seine (Un-) Taten zu bewerten, oder zu beschönigen. Ich wollte lediglich Brittas Muster etwas durchlöchern.
Wenn Vorwürfe gegen Putin, Ahmadinedschad, Assad, ... oder, vorgebracht werden, stellt sie diese infrage. Welches Motiv hinter diesen Anschuldigungen steckt, was damit bezweckt wird. Welche Interessen Putin, oder ... hat, soetwas Ungeheuerliches zu tun?
Wenn aber Anschuldigungen gegen den Westen, namentlich die USA - oder deren Eliten - vorgebracht werden, hinterfragt sie diese selten ... bis nie.
Elfer hat geschrieben:Damit müsste die deutsche Regierung eine kriminelle Vereinigung sein oder müsste extremistischen bzw terroristischen Kreisen angehören.
Seit den Anschägen vom September 2001 scheint es ja so zu sein. Mehrere Terroristen kamen ja aus Deutschland.
Elfer hat geschrieben:Diese Affäre zeigt, welche "Freunde" wirklich Freunde sind.
Es gibt diese sogenannten "Five Eyes":
USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Großbritannien.
Sie haben sich gegenseitig versprochen, sich nicht auszuspionieren, sondern ihre Spionageergebnisse auszutauschen. Damit beantwortet sich doch schon einiges.
Deutschland und der Rest von Europa ... von der Welt ist Feindesland - letztlich Terrorland.
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Re: Wer einmal lügt...

Beitragvon Uli » Mittwoch 30. Oktober 2013, 17:10

Laut Blödzeitung soll die NSA sogar "unseren Papst" bespitzelt haben. Der war wahrscheinlich stark verdächtig, islamistische Anschläge zu planen. :)

Schätze mal, die Geheimdienste nehmen, was sie nur kriegen können, solange die Festplatten und Bänder nicht überlaufen.
Lesen kann den ganzen Schrott eh niemand, wäre ja viel zu viel - vielleicht läuft Software über die Daten, die versucht gewisse Keywords zu erkennen, die auf Anschläge hindeuten könnten.
Ob die NSA da nun so viel schlimmer ist als die anderen? Keine Ahnung, aber glaube ich nicht. Vielleicht können sie einfach mehr als andere; drum tun sie auch mehr.

In Zeiten, wo sowieso jedermann bei facebook publiziert, wenn er einen Pups gelassen hat, finde ich diesen Hype schon etwas übertrieben.
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Re: Wer einmal lügt...

Beitragvon ralfkannenberg » Mittwoch 30. Oktober 2013, 18:13

Uli hat geschrieben:In Zeiten, wo sowieso jedermann bei facebook publiziert, wenn er einen Pups gelassen hat, finde ich diesen Hype schon etwas übertrieben.

Hallo Uli,

entspricht durchaus dem, was ich empfinde, trotzdem erscheint mir die Unterscheidung wichtig, ob ich von mir aus vertrauliche Informationen preisgebe oder ob andere sie ohne mein Einverständnis holen.

Aber wie schon im Parallelthread geschrieben: von einem ernstzunehmenden militärischen Allianzpartner - und die Betonung liegt hier auch ausschliesslich auf militärisch - erwarte ich eine gewisse Professionalität und nicht nur ein naives Vertrauensverhältnis. Denn auch in den Regierungen und Militärpositionen der uns subjektiv als gut erscheinenden Länder sitzen nicht nur liebe Engelchen, die keiner Fliege etwas zuleide tun können.


Freundliche Grüsse, Ralf
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Re: Wer einmal lügt...

Beitragvon Elfer » Mittwoch 30. Oktober 2013, 21:33

ralfkannenberg hat geschrieben:
Elfer hat geschrieben:Diese Affäre zeigt, welche "Freunde" wirklich Freunde sind.

Hallo Elfer,

mal im Ernst: meinst Du, "unsere Leute" hören die Vereinigten Staaten nicht ab ?


Freundliche Grüsse, Ralf


Können sie nicht, dazu fehlt ihnen die Technik. Oder einfach die richtige Telefonnummer.
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Re: Wer einmal lügt...

Beitragvon Elfer » Mittwoch 30. Oktober 2013, 21:38

Der Neandertaler hat geschrieben:Seit den Anschägen vom September 2001 scheint es ja so zu sein. Mehrere Terroristen kamen ja aus Deutschland.


Ja, aber es Studienkollegen der Kanzlerin? Kein Grund Regierungschefs abzuhören, oder?
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Re: Wer einmal lügt...

Beitragvon Der Neandertaler » Donnerstag 31. Oktober 2013, 09:03

Hallo Elfer.
Die US-Amererikaner sind schon immer in einem Grundsatz davon ausgegangen, daß der, der nicht zu 100% für sie ist, daß dieser gegen sie ist - also der Feind.
Seit den erwähnten Anschlägen bis heute sind sie traumatisiert - sie reagieren paranoid, sehen überall Feinde. Herr Schroeder hat zwar nach diesen Anschlägen den US-Amerikanern "uneingeschränkte Solidarität" zugesprochen, aber dann die Mithilfe beim Iraq-Krieg verweigert. Er hat sie damit in dieser Logik bestärkt - er hat damit eine Trotzhaltung hervorgerufen.
Dies mag ein Grund sein, daß und warum die USA Deutschland nicht unbedingt und uneingeschränkt als Freund betrachtet. Also nach dieser Logik spricht nichts gegen ein Abhören ... ein Ausspähen.

Eine andere Frage ist, ob, wenn ein Telephongespräch mithört, dessen Telephon-Nummer vielleicht bekannt ist, ob man daraus direkt und unbedingt auf den Teilnehmer schließen kann?
Aber wenn die Gespräche interessant sind, ergibt sich vielleicht so 'ne Art Gewohnheitsrecht. Und damit kämen wir zum zweiten Grund dieser Abhöraktion.

Ein anderer Grund ist bestimmt auch darin zu suchen, daß man sich dadurch - durch Wissen, bevor die andere Seite dies offizell aus- und anspricht - einen Vorteil verspricht.
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