Warum Gott auch böse ist

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Warum Gott auch böse ist

Beitragvon nocheinPoet » Samstag 7. August 2010, 08:55

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Ich möchte hier keinen Streit mit Gläubigen provozieren, sondern es geht mir darum, das ich im Gespräch mit einigen Christen festgestellt habe, das diese sehr an der Bibel kleben, und es sehr schwer ist, gegen dogmatischen Glauben zu argumentieren.

Ausgangslage ist meine doch zum Teil pantheistische Vorstellung von Gott, wobei ich kein Atheist im herkömmlichen Sinne bin, sondern schon an Gott glaube, mich aber recht deutlich von vielem was in der Bibel steht distanziere, also die Bibel nicht zur Grundlage meine Gottesbild mache.

Ich sehe viele Widersprüche in der Bibel, und die Bibel wurde von Menschen geschrieben die wie dem Menschen eben zu eigen ihre eigenen Ziele verfolgten.

Nun gehe ich von einigen Annahmen aus, und baue darauf Kausalketten auf.

Ich fange damit an, dass ich sage, es gibt alles. Wenn ich sage, alles was grün ist und alles was nicht grün ist, dann ist beides zusammen alles was ist.

Philosophisch interessant ist die Aussage, alles was nicht ist, oder alles was nicht in alles ist, aber das möchte ich mal zurückstellen.

Ich kann das eigene Sein nicht in frage stellen, ich kann zwar hinterfragen was ich bin, aber nicht das ich bin. Ich kann fragen ob es etwas gibt, das nicht ich bin, aber dass ich bin bleibt gegeben.

Nun heißt es, Gott ist ohne Grenzen, er ist ohne Anfang und Ende, nichts was da wäre, was nicht Gott wäre.

Hier ist nun meine Vorstellung pantheistisch, das Universum, alles was ist, ist für mich gleich und dasselbe wie Gott.

Einige Christen und Gläubige sagen nun, dass Gott nicht böse ist, dass er nur das Gute umfasst.

Wenn Gott nicht böse wäre, dann gäbe es Gott und das Böse, und alles wäre eben Gott und das was Gott nicht ist, also Gott und das Böse zusammen. Dann wäre Gott irgendwo und daneben irgendwo das Böse. Gott wäre nicht überall, es gäbe eine Grenze. Dann gäbe es einen Raum der größer als Gott sein müsste, etwas, das Gott übergeordnet wäre, einen Raum in dem Gott drin ist, und darin eben neben Gott auch das Böse.

Gott ist aber nicht wo drin, Gott ist selber das was ist, er ist der Raum es gibt nichts das außerhalb ist.

Somit muss Gott auch das Böse umfassen und mit einschließen. Ich habe nun um den Christen zu zeigen einige Stellen in der Bibel gefunden, die diese Annahme stützen, aber für mich spielt das weniger eine Rolle, denn ich sehe in der Bibel eben nicht nur das wahre Wort Gottes, sondern nur ein von Menschen geschriebenes Buch.

Fakt ist aber, das beides nicht möglich ist, entweder Gott ist unendlich und ohne Grenzen und umfasst somit auch das Böse, oder er ist nicht das Größte und unendlich, und es gibt etwas ihm übergeordnetes.

Was meint Ihr nun dazu?
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Re: Warum Gott auch böse ist

Beitragvon pseudonymous » Samstag 7. August 2010, 10:04

Definiere Böse....
Wo fängt böse sein an und wo hört es auf?!
Jeder hat die Option böse zu sein, ist er aber nicht und schon gar nicht zeitgleich für jeden, also wieso sollte Gott (wenn es ihn geben sollte), diese Option wählen und wenn, wer hat dann Recht mit seiner Beurteilung, ob Gottes Handlung böse war, oder nicht?!
Wer kann denn hier so gut ´n Blasinstrument bedienen?!
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Re: Warum Gott auch böse ist

Beitragvon elfenpfad » Sonntag 8. August 2010, 07:26

wir Menschen haben diesen Begriff *gut und böse* geprägt

diese Einteilung in gut und böse dann auch noch auf ein Gottesbild übertragen zu wollen, liegt ganz allein in der oft beschränkten menschlichen Denkweise ....


Als Zitateliebhaberin hab ich dazu natürlich :D auch ein passendes dazu gefunden

Das Gute ist dem Göttlichen ebenso fremd wie das Böse. Gott hat mit moralischen Werten nichts zu schaffen.
Jakob Boßhart
"Nur das Denken, das wir leben, hat einen Wert.
Hermann Hesse, Demian, Gesammelte Werke Bd. 5"
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Re: Warum Gott auch böse ist

Beitragvon Britta » Sonntag 8. August 2010, 09:57

nocheinPoet hat geschrieben:Fakt ist aber, das beides nicht möglich ist, entweder Gott ist unendlich und ohne Grenzen und umfasst somit auch das Böse, oder er ist nicht das Größte und unendlich, und es gibt etwas ihm übergeordnetes.

Was meint Ihr nun dazu?

Es heißt ja immer 'das sich ausdehnende Universum'. Ich glaube, 'das wachsende Universum' wäre passender.

In meiner Vorstellung entwickelt es sich. Es wächst wie ein Baum oder eine Pflanze, nur ist jedes Blatt und jeder Stiel anders und einzigartig und ständig entsteht Neues - Schönes und Hässliches, so wie die Menschen sind.
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Re: Warum Gott auch böse ist

Beitragvon Elfer » Sonntag 8. August 2010, 11:15

Weil es in ALLEM eine Ausgwogenheit geben muss, sonst kippt die Sache.

Ich habe mich immer als Christen bezeichnet. Noch dazu als einen, der überhaupt nicht bibelfest ist. Gottesdienste sind für mich das zelebrieren der Verlogenheit, ich meide sie wo ich kann.

Gleichzeitig sehe ich die Kirche als eine Gemeinschaft, die Menschen auffangen kann udn die viel für Menschen tun kann. Auch da sehen wir das zusammentreffen von Gut und Böse, Gut und Schlecht.

Zurück zu Gott.

So viele Götter gibt es auf der Welt und so viele gab es. Wo sind die unsterblichen Götter der griechischen Mythologie?
So viele Gesichter und nur ein Gott?

Ich glaube, Gott muss auch böse sein, da selbst er nicht in der Lage ist eine einseitige Welt im Gleichgewicht zu halten.
Zuletzt geändert von Elfer am Sonntag 8. August 2010, 18:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Warum Gott auch böse ist

Beitragvon GambitPi » Sonntag 8. August 2010, 17:56

Wenn Gott nur gut wäre, dann müsste man überlegen, ob
a) es ein von ihm unabhängiges allgemeines böses Prinzip gibt. Das wäre die gnostisch/manichäistische Antwort (Ormuzd und Ahriman)
b) das Böse gut ist (ein "zwielichtiger" Rettungsversuch des monotheistischen Weltbilds^^)
c) das Böse vielleicht garnicht existiert. Es also kein unabhängiges Prinzip, sondern allein eine Perspektivenfrage ist.

Meiner Meinung nach ist Gott natürlich sowohl das "Gute", als auch das "Böse" und diese beiden scheinbaren Antipoden finden so in ihm eine Auflösung.
Der "Teufel" wäre dann ein simples Pendant zu den guten Engelmächten. Ein Unterfürst, der sozusagen die Buchhaltung für einen bestimmten Bereich, den wir das Böse nennen führt.
Ich glaube aber auch nicht, das Gut und Böse Auswirkungen auf unsere angenommene Weiterexistenz in einem irgendwie gearteten Jenseits hat.
Gut und Böse sind mMn vor Gott ein- und dasselbe.
So leid es mir tut muss ich zugeben, das in meinem Weltbild am Ende auch der übelste Kinderschänder NICHT in einer nichtexistenten Hölle landet.
Die einzige jenseitige Purifikationsvorrichtung, die man zum. aus den abrahamitischen Offenbarungsschriften wirklich herauslesen kann ist das Fegefeuer: eine Art spiritueller Läuterungsanstalt. In etwa so vorzustellen, wie ein "Goldofen" - es wird solange "gefackelt", bis nur noch das reine Gold übrig ist. Und dieses Gold (also die Essenz eines jeden von uns) gelangt dann ins Nirvana, das Paradies - nenne es ein jeder ganz quod libet. Die Bibel nennt es Sheol( Unterwelt) - das Paradies ist ein irdischer Ort. Aber das ist ein anderes Thema...
Es gehört uns: wir dürfen es also bezeichnen, wie es uns beliebt ;)
Der "Rest" wird in Wärmeenergie umgewandelt (für die Nächsten :D) - Spaß muss ein :twisted:

Das vor Gott beide Pole gleich gelten entnehme ich u.A. dem Anfang des Buches Hiob: da sitzt Gott mit seinen Engeln im Himmel rum und der Teufel schaut auf ein Gespräch und eine Wette vorbei.
Da läuft vor Gott also einerseits die Engelschar herum (das Gute) und der Teufel (das Böse) ebenso. Ihm ist´s aber augenscheinlich gleich, welcher Fraktion man angehört.
Jedenfalls ist klar: wenn Gott Gott ist, dann erschuf er Alles, also auch das Böse (das, wie ich meine eine Perspektivfrage ist, die sich nur uns Irdischen stellt).
Ich will es mal so versuchen: Aus der Sicht einer Gazelle ist ein Löwe sicher etwas "Böses". Einem Sperling dürfte der Löwe aber ziemlich egal sein ;)
Jene absolut böse Kraft (die dann doch nur das Gute schafft :D ), die wir hinter der Chiffre des Teufels wähnen ist gewissermaßen die Bremse des kosmischen Motors - ein notwendiges Regulativ. Mehr nicht.


In diesem Sinne:
Und das ist noch nicht Alles...
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Re: Warum Gott auch böse ist

Beitragvon kiki » Sonntag 8. August 2010, 19:44

hi poet - es gibt keinen guten oder bösen gott

und böse sowieso nicht, denn er hat uns ein zeichen an den himmel gemalt, den regenbogen - der ist hinfort ein zeichen dafür, dass gott die menschen nicht mehr strafen will - -
vielleicht ruht darin die tiefste erkenntnis: der mensch ist selbst verantwortlich - jeder wohlgemerkt

zudem hat uns christus ein anderes gottesbild "gemalt" - er spricht von einem liebenden vater - alles vergebend, gütig, barmherzig - --
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Re: Warum Gott auch böse ist

Beitragvon lesslow » Montag 9. August 2010, 23:49

Ich sehe das sehr sehr ähnlich, wie Felix aka. GambiPit.

Ebenso, dass nach unserem Tode nicht Gott es ist, was uns richtet, sondern wir selbst es sind, die sich in einem Augenblick der größten Einsicht und des größten Verständnisses unser Leben betrachten. Wir werden selbst über unser Leben richten und das wird womöglich der "schmerzlichste" Augenblick für das Selbst.
„Ich habe an vielen Dingen keine Freude und glaube an viele Dinge nicht, die der Stolz der heutigen Menschheit sind; ich glaube nicht an die Technik, ich glaube nicht an die Idee des Fortschritts, ja nicht einmal an die Demokratie, ich glaube weder an die Herrlichkeit und Unübertrefflichkeit unserer Zeit, noch an irgendeinen ihrer hochbezahlten Führer, während ich vor dem, was man so ‚Natur‘ nennt, eine unbegrenzte Hochachtung habe.“ - Hermann Hesse
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Re: Warum Gott auch böse ist

Beitragvon elfenpfad » Sonntag 15. August 2010, 14:43

Wichtiger als die Erkenntnis über "Gut" und "Böse", ist doch das Augenmerk, worauf wir unseren Blick lenken, wem wir mehr Bedeutung geben in unserem Leben
Dieses Zitat drückt es sehr schön aus:
"Wer das Geheimnis gefunden hätte, sich über das Gute zu freuen, ohne sich über das entgegengesetzte Böse zu ärgern, hätte den Punkt gefunden; das ist das perpetuum mobile.
Blaise Pascal, Gedanken"


und zu bedenken ist auch folgendes dabei:
"Was aus Liebe getan wird, geschieht immer jenseits von Gut und Böse.
Friedrich Nietzsche, Werke III - Jenseits von Gut und Böse"

Den die wahrhaftige Liebe ist immer jenseits von "gut" und "böse"



lesslow hat geschrieben
Ebenso, dass nach unserem Tode nicht Gott es ist, was uns richtet, sondern wir selbst es sind, die sich in einem Augenblick der größten Einsicht und des größten Verständnisses unser Leben betrachten. Wir werden selbst über unser Leben richten und das wird womöglich der "schmerzlichste" Augenblick für das Selbst.

ja, das sehe ich auch so : ich würde es nur so ausdrücken, dass es dieses Göttliche in uns allen ist, der göttliche Funken der alles beseelt und durchdringt, diese Rückschau auf unser Leben bewirkt. Und uns die ganze Tragweite jedes Gedanken und daraus resultierender Handlung bewusst wird in Bezug auf die Auwirkung auf andere Menschen, und auf die Auswirkungen auf das gesamte Leben. Weil alles miteinander vernetzt ist.
Indem wir dies alles erkennen, wird uns auch das verzeihen ermöglicht, ein verzeihen ,dass auch die eigene Person mit einschliesst.
"Nur das Denken, das wir leben, hat einen Wert.
Hermann Hesse, Demian, Gesammelte Werke Bd. 5"
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