Libyen-Krise

NEWS, Schlagzeilen, aktuelle Themen und was die Welt bewegt

Moderatoren: galileo2609, nocheinPoet

Re: Libyen-Krise

Beitragvon Uli » Montag 7. November 2011, 15:26

Im Guardian gibt es ein recht interessantes Interview mit einem seiner Journalisten, der zu Anfang des Aufstandes einige Wochen in einem von Gaddafis Gefängnissen eingesessen hatte. I
http://www.guardian.co.uk/news/blog/201 ... abdul-ahad

Es wird auch ganz kurz auf die Situation von Schwarzen eingegangen:
...
But now the rebels see themselves as the real protectors of Europ against african migration first and foremost because of the hatred the rebels have towards black Africans (percieved as mercenaries mixed with arab racism)
and second because "Europian are our allies" as one misratah rebel told me after they raided a migrants camp west of tripoli..... It's very very hard to be an african migrant stuck in libya now
...


Das ist wohl zum Teil der "ganz normale arabische Rassismus" gegen Schwarze, der häufig verdrängt wird und unter Gaddafi meist unterdrückt wurde; aber auch zu Gaddafis Zeiten hatte es schon Ausschreitungen gegen scharze Immigranten gegeben:
http://www.huffingtonpost.com/rebecca-t ... 51422.html

...
With the liberation of Libya come less happy reports from Amnesty and Physicians for Human Rights of rebels slaughtering scores of black Africans, believing they were all pro-Gaddafi mercenaries. While the dictator did hire some fighters from sub-Saharan Africa, the vast majority of black Africans in Libya are entirely innocent immigrants, one million of whom are guest workers.

According to a Cairo-based think tank, many of the Sudanese being targeted by Libyans are refugees escaping the ethnic cleansing of black Africans in Darfur and the South Kordofan region of Sudan. They have escaped one form of Arab racism, only to find another.

None of this has happened in a vacuum: in 2000 there were deadly anti-immigrant riots in Libya. Nor is there anything unusual about Libyan attitudes: Arab racism toward black Africans is commonplace, even if it remains a taboo subject. For the Nobel Prize winning novelist Wole Soyinka, the unwillingness to confront Arab racism is rooted in the role of Arabs in the slave trade. "Arabs and Islam are guilty of the cultural and spiritual savaging of the Continent," he writes.
...


Nun können sie die Sau wirklich rauslassen.

Gruß,
Uli

___

Ich denke, Libyen bräuchte jetzt eine starke Hand, die durchgreift, die Rebellen entwaffnet, entschieden gegen Rassismus vorgeht etc..
Ich wüsste da jemanden; nur ist der leider von ein paar Wochen in Sirte umgebracht worden. :(
Benutzeravatar
Uli
 
Beiträge: 1025
Registriert: Dienstag 1. Februar 2011, 13:04

Re: Libyen-Krise

Beitragvon ralfkannenberg » Montag 7. November 2011, 19:21

Uli hat geschrieben:Ich denke, Libyen bräuchte jetzt eine starke Hand, die durchgreift, die Rebellen entwaffnet, entschieden gegen Rassismus vorgeht etc..
Ich wüsste da jemanden; nur ist der leider von ein paar Wochen in Sirte umgebracht worden. :(

Hallo Uli,

nimm mir das bitte nicht übel, aber ich denke, der "Führer" hätte das auch mit "starker Hand" hingekriegt.

Und vergiss nicht, wieviel Gutes der Führer für sein Volk gemacht hat, alle hatten wieder Arbeit, es gab Ferien (ja ja, das war damals keineswegs selbstverständlich), junge Frauen konnten sich abend wieder auf die Strasse trauen, die Eltern konnten ihre Kinder kostenlos in betreute Ferienlager geben und der Muttertag wurde ja auch von ihm eingeführt.

Einfach so zur Sensibilisierung ...


Freundliche Grüsse, Ralf
Benutzeravatar
ralfkannenberg
 
Beiträge: 4910
Registriert: Montag 24. Oktober 2011, 20:25

Re: Libyen-Krise

Beitragvon ralfkannenberg » Montag 7. November 2011, 19:29

Uli hat geschrieben:Das ist wohl zum Teil der "ganz normale arabische Rassismus" gegen Schwarze

Hallo Uli,

ich finde es gut, dass Du das in Anführungsstriche setzt, denn den ganz normalen arabischen Rassismus wird es wohl nicht geben. Mit einem solchen Argument würde man nämlich den Arabern pauschal unterstellen, rassistisch eingestellt zu sein, und das ist ein nicht unerheblicher Vorwurf.


Freundliche Grüsse, Ralf
Benutzeravatar
ralfkannenberg
 
Beiträge: 4910
Registriert: Montag 24. Oktober 2011, 20:25

Re: Libyen-Krise

Beitragvon Britta » Montag 7. November 2011, 22:12

Hallo Ralf,
ralfkannenberg hat geschrieben:nimm mir das bitte nicht übel, aber ich denke, der "Führer" hätte das auch mit "starker Hand" hingekriegt.


Der "Führer", wenn du damit A.H. meinst, hätte genau das Gegenteil dessen getan, was Gaddafi getan hat. Gaddafi hat die verfolgten Schwarzen beschützt und nicht ausgerottet. Das Ausrotten besorgen zur Zeit die Rebellen.

Die Menschenrechtsverletzungen, die Gaddafi begangen haben soll, betrafen eben meist die Leute aus Benghazi und viele davon waren vorher bereits vom CIA in Gefangenenlagern wie Guantanamo gefoltert worden oder vom CIA selbst in Libyen gefoltert worden. Was genau von diesen Vorwürfen wahr ist, ist schwer feststellbar. Gaddafi war ständig bedroht. Es gab sehr viele Mordversuche und meist steckten auch die Leute aus Benghazi - also die heutigen Rebellen - dahinter. 1996 arbeitete nachweislich der britische Geheimdienst mit den Rebellen zusammen und zahlte sehr wahrscheinlich 100.000 Dollar für die Ermordung Gaddafis. Das dieser dann mit diesen Leuten nicht zimperlich umging, ist wohl für die 3. Welt normal. Daran gemessen kamen sie mit Haftstrafen sogar gut weg und wurden auch noch vorzeitig aus der Haft entlassen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Libysche_I ... ampfgruppe
Die Libysche Islamische Kampfgruppe (arabisch ‏الجماعة الليبية المقاتلة‎, englisch: Libyan Islamic Fighting Group, LIFG) ist eine libysche islamistische Terrorgruppe mit engen Beziehungen zum internationalen Netzwerk al-Qaida. Ihre Rekrutierungsbasis befindet sich vor allem in der Kyrenaika im Nordosten Libyens.

...Die zunächst nur in kleinen Gruppen organisierten Kriegsheimkehrer traten im Juni 1995 im Osten Libyens erstmals militant auf. Im September 1995 gab es größere Gefechte mit libyschen Sicherheitskräften in Benghazi, bei denen auf beiden Seiten mehrere Dutzend Menschen zu Tode kamen. In einem am 18. Oktober veröffentlichten Kommuniqué verkündete die LIFG formell ihre Existenz und erklärte den Sturz des Regimes zur „ersten Pflicht nach dem Glauben an Gott“


Hinter diesen Terroristen waren also Gaddafi und die USA gleichermaßen her. Und die Briten bedienten sich dieser Leute, um Gaddafi umzubringen:
Im März 1996 unternahm die Gruppe in Sirte einen Attentatsversuch gegen al-Gaddafi, bei dem mehrere Menschen starben. Ein ehemaliger britischer Geheimdienstmitarbeiter berichtete später, der MI6 habe den Anschlag unterstützt, was aber von offizieller Seite dementiert wurde.


Und Gaddafis Feinde waren eben nicht ohne. Es gab ständige Unruhen im Land:
In den folgenden Jahren war die Gruppe wiederholt in Kämpfe mit den Streitkräften Libyens verwickelt, insgesamt sollen 177 LIFG-Kämpfer und 160 libysche Sicherheitskräfte bei solchen Gefechten ums Leben gekommen sein. Die schwersten Gefechte sollen im September 1997 bei Darna stattgefunden haben, wo bis zu 30.000 Regierungsoldaten zahlreiche Kämpfer der LIFG einkesselten. Das Gefecht endete mit einer schweren Niederlage für die Organisation. Zahlreiche Kämpfer und Führungsmitglieder wurden dabei getötet oder gerieten in Gefangenschaft.

Da die LIFG nach diesen Ereignissen in Libyen stark unter Druck stand, suchte sie nun verstärkt die Unterstützung von al-Qaida und anderen islamistischen Gruppen im Ausland, vor den Anschlägen am 11. September 2001 wurden bis zu 1000 Kämpfer der LIFG in afghanischen Trainingslagern militärisch ausgebildet


Beim neuerlichen Aufstand, der im Libyenkrieg endete, hatte Gaddafi es wieder mit denselben Leuten zu tun, nur das dieses Mal das Ausland die Terroristen massiv unterstütze und zu diesem Aufstand ermunterte, um dann "helfend" einzugreifen. Jahrelang hatte die USA von Gaddafi ein Vorgehen gegen diese Leute gefordert, und nun wurden plötzlich Terroristen zu einer Demokratiebewegung hochgejubelt, obwohl von Anfang an klar war, dass die Terroristen von Demokratie gar nichts halten.

Durch die internationale Kooperation im Kampf gegen den Terror - vor allem mit den USA - galt die LIFG in Libyen 2007 als weitgehend besiegt. Zahlreiche Führungsmitglieder befanden sich zu diesem Zeitpunkt in Haft. Ab 2009 kam es zu einem Aussteigerprogramms der Regierung, an dem Saif al-Islam al-Gaddafi federführend beteiligt war. In diesem Rahmen sagten zahlreiche inhaftierte LIFG-Mitglieder im September 2009 dem Terrorismus in einer gemeinsamen Erklärung ab

Wäre Gaddafi blutdürstig und rachsüchtig gewesen, so hätte er diese Terroristen nie wieder auf freien Fuß gesetzt. Er hat aber tatsächlich versucht, diese Leute wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Die letzten von ihnen kamen Anfang Februar 2011 frei. Kurz danach begann der vom Ausland organisierte Aufstand.

Zwischen März 2010 und Februar 2011 wurden deswegen 350 Gefangene aus dem Gefängnis entlassen, allerdings wurde dabei von amerikanischen Experten kritisiert, dass keine ausreichenden Resozialisierungs- und Monitoring-Programmen vorgesehen seien, um den Rückfall der Entlassenen in terroristisches Milieu zu vermeiden. Die letzten 110 Gefangenen wurden erst am 16. Februar 2011, unmittelbar vor Beginn des Bürgerkriegs in Libyen freigelassen. Unter diesen befand sich auch das LIFG-Führungsmitglied Abu Idris al-Libi, der ältere Bruder des in Afghanistan tätigen al-Qaida-Sprechers Abu Yahia al-Libi.


Die Koalition der Willigen - also diejenigen, die Libyen zuerst angriffen, wußten genau mit wem sie sich da verbündeten und logen, dass sich die Balken bogen:

Bei Beginn des Aufstandes machte der libysche Revolutionsführer Gaddafi islamischem Extremismus für diesen verantwortlich. In einer Rede vom 24. Februar 2011 kurz nach Beginn der Revolte sagte Gaddafi, die Aufstände seinen von der Extremistenorganisation al-Qaida inspiriert. Die militärischen und politischen Führer der Aufständischen wiesen jedoch jegliche Verbindung zum Extremismus zurück. Auch westliche Beobachter aus den Ländern, die in Libyen militärisch intervenieren, bestritten die Aussagen Gaddafis. Der Natogeneral James Stavridis gab in einer Anhörung im US-amerikanischen Senat an, militante Gruppen hätten nach vorliegenden Geheimdienstinformationen keine signifikante Rolle beim Aufstand gespielt.


Geglaubt hat ihnen das niemand, der die Lage in Libyen kannte und jetzt wäre es eigentlich für jeden deutlich erkennbat, der sich dafür interessiert:
Ein regierungsunabhängiges französisches Expertenteam, das im März und April 2011 vor Ort recherchierte, sieht dagegen in seinem Abschlussberecht einen erheblichen Einfluss von ehemaligen LIFG-Mitgliedern und anderen militanten Islamisten unter den Aufständischen. Demnach sollen diese nicht nur die größte Gruppe unter diesen darstellen, sondern auch wesentlich zur schnellen Eskalation des Konfliktes beigetragen haben.


Nach Medienberichten sollen mehrere hundert LIFG-Mitglieder seit Februar 2011 im Bürgerkrieg gegen die Regierungstruppen kämpfen, davon etwa 20 in militärischen Führungspositionen.

AlQaida von der NATO in Libyen an die Regierung gebracht. Die "Rebellen" wollten sogar von den NATO-Befreiern schon die Instandsetzung der libyschen Luftwaffe. AlQaida mit eigener Luftwaffe, da wird die NATO in Afghanistan und Irak noch so richtig Spaß haben.

Manch einer der Rebellen hat seine AlQaida-zugehörigkeit offen zugegeben, andere verbergen sie lieber.
Zu den namentlich bekannten Vertretern gehört u.a. der Kommandant Abdel-Hakim al-Hasidi, der in einem Zeitungsinterview recht freimütig seine Nähe zu al-Qaida einräumte.

Abdel-Hakim ist jetzt oberster Befehlshaber des libyschen Militärs.

Sie morden sogar ihre eigenen Leute
Auch die "Märtyrerbrigade des 17. Februar", die bei den Rebellen interne Sicherungsfunktionen ausübt, soll von zahlreichen ehemaligen Mitgliedern der Kampfgruppe durchsetzt sein. Die Ermordung des Militärchefs der Rebellen Abd al-Fattah Yunis im Juli 2011 soll nach Aussage eines seiner Stabsoffiziere von Islamisten aus dieser Einheit verübt worden sein



ralfkannenberg hat geschrieben:Und vergiss nicht, wieviel Gutes der Führer für sein Volk gemacht hat, alle hatten wieder Arbeit, es gab Ferien (ja ja, das war damals keineswegs selbstverständlich), junge Frauen konnten sich abend wieder auf die Strasse trauen, die Eltern konnten ihre Kinder kostenlos in betreute Ferienlager geben und der Muttertag wurde ja auch von ihm eingeführt.


Dass die Frauen in Libyen mehr Rechte bekamen, dafür hat Aisha Gaddafi gesorgt. Sie hat in Libyen für die Frauenrechte gekämpft und war Good-Will Botschafterin bei den Vereinten Nationen.

Jalil will ja die Rechte der Frauen wieder beschneiden. Darauf baut Aisha Gaddafi jetzt sehr wahrscheinlich von Algerien aus ihren Wahlkampf auf. Womit Jalil und sein TNC bei den Wahlen schonmal 50% der Stimmen, nämlich die der Frauen, verlieren werden, es sei denn sie schaffen vorher das Wahlrecht der Frauen ab.

ralfkannenberg hat geschrieben:Einfach so zur Sensibilisierung ...


dto.
People who lie to others have merely hidden away the truth, but people who lie to themselves have forgotten where they put it.
Benutzeravatar
Britta
 
Beiträge: 2452
Registriert: Samstag 3. Juli 2010, 14:09

Re: Libyen-Krise

Beitragvon Britta » Montag 7. November 2011, 22:37

Uli hat geschrieben:Das ist wohl zum Teil der "ganz normale arabische Rassismus" gegen Schwarze, der häufig verdrängt wird und unter Gaddafi meist unterdrückt wurde; aber auch zu Gaddafis Zeiten hatte es schon Ausschreitungen gegen scharze Immigranten gegeben


ich lese ja sehr viel von Nazemroaya und er wird auch in viele andere Sprachen übersetzt. Letzt habe ich diesen Artikel von ihm auf english gelesen. Der ist jetzt auf deutsch im Kopp-Verlag erschienen.

Nazemroaya war einer derjenigen, die bis Ende August in Libyen waren und von dort berichteten.

http://info.kopp-verlag.de/hintergruend ... erden.html

Er berichtet darin vom "Yinon-Plan", von dem ich noch nie zuvor gehört habe.
Dieser Prozess der Neugestaltung gründet sich auf erprobte Techniken sozialer Manipulation, mit deren Hilfe konfessionelle Spaltungen in bestimmten Zielstaaten erzeugt werden, die diese dann wirksam neutralisieren oder sogar zu ihrer Auflösung führen.

Viele der Probleme, die zahlreichen Regionen in Osteuropa, Zentralasien, Südwestasien, Südasien, Ostasien, Afrika und Lateinamerika heute zu schaffen machen, sind das Ergebnis sozialer Manipulationen, mit deren Hilfe von ausländischen Mächten bewusst regionale Spannungen geschürt wurden. Konfessionelle Spaltungen, ethno-linguistische Spannungen, religiöse Differenzen und innere Gewalt wurden immer wieder in der Geschichte von den USA, England und Frankreich in verschiedenen Teilen der Welt geschürt und ausgenutzt. Der Irak, der Sudan, Ruanda und Jugoslawien sind nur einige wenige aktuellere Beispiele für diese klassische Strategie des »Teile und herrsche«, die dazu benutzt wird, ganze Nationen in die Knie zu zwingen.



Die Auslöschung der christlichen Gemeinden des Nahen und Mittleren Ostens

Es ist keineswegs ein Zufall, dass die ägyptischen koptischen Christen vor den Unruhen in Libyen und gleichzeitig mit dem Referendum im Sudan Ziel von Angriffen wurden. Und ebenso wenig ist es Zufall, dass die irakischen Christen, die zu den ältesten Gemeinden der Welt gehören, ins Exil gezwungen wurden und ihre angestammte Heimat im Irak verlassen mussten. Zeitgleich zum Exodus der irakischen Christen, der sich unter den wachsamen Augen der amerikanischen und britischen Soldaten vollzog, wurden diese Viertel in Bagdad von Moslems übernommen, wobei man die schiitischen und sunnitischen Gruppen mit Gewalt und unter Einsatz von Todeskommandos zwang, sich nicht zu mischen, sondern jeweils nach Zugehörigkeit getrennte Enklaven zu bilden. Auch diese Vorgehensweise steht mit dem Yinon-Plan und der Umgestaltung der Region als Teil einer umfassenden Strategie im Zusammenhang.

Im Iran versuchten die Israelis vergeblich, die iranische jüdische Gemeinschaft zum Verlassen des Landes zu bewegen. Die jüdische Bevölkerung des Iran ist die zweitgrößte im Mittleren Osten und sie ist wohl die älteste jüdische Gemeinschaft der Welt mit ungebrochener Tradition. Die iranischen Juden sehen sich wie ihre moslemischen und christlichen Mitbürger als Iraner mit einer engen Bindung an ihre Heimat. Die Vorstellung, sie müssten jetzt nach Israel umsiedeln, nur weil sie Juden sind, erscheint ihnen absurd.


Washington, Tel Aviv und Brüssel wollen einen Exodus der Christen aus dem Nahen und Mittleren Osten erreichen. Berichten zufolge soll Sarkozy Patriarch Raï in Paris erklärt haben, die christlichen Gemeinden der Levante und des Nahen und Mittleren Ostens könnten sich in der Europäischen Union ansiedeln. Das ist alles andere als ein großherziger Vorschlag. Es ist geradezu eine Ohrfeige der gleichen Mächte, die bewusst die Rahmenbedingungen geschaffen haben, die nun zu einer Auslöschung oder der Vertreibung der seit der Antike im Nahen und Mittleren Osten lebenden christlichen Gemeinden führen könnten. Hinter diesen Umsiedlungsplänen für die christlichen Gemeinden steht scheinbar die Absicht, die arabischen Nationen auf diesem Wege zu ausschließlich moslemischen Ländern zu machen. Auch dies steht im Einklang mit dem Yinon-Plan.


Offenbar denkt man an eine Teilung Afrikas in einen sogenannten »schwarzafrikanischen« und einen »nichtschwarzafrikanischen« nördlichen Teil. Dies entspräche im Groben einer Aufteilung Afrikas in »Schwarze« und »Araber«. Es geht hier um den bereits laufenden Versuch, die Entstehung einer gemeinsamen arabisch-afrikanischen Identität zu verhindern.

Dieses Fernziel steht auch hinter dem absurden Identitätskonflikt eines »afrikanischen« Südsudan und eines »arabischen« nördlichen Sudan, der immer wieder beschworen und geschürt wird. Aus diesem Grunde wurden auch schwarze Libyer zum Ziele einer »farbigen Säuberung«. Die arabische Identität in Nordafrika wird von ihrer afrikanischen Identität abgeschnitten. Gleichzeit versucht man die zahlenmäßig umfangreiche Gruppe »schwarzer Araber« auszurotten, sodass man eine klare Trennungslinie zwischen »Schwarzafrika« und einem neuen »Nichtschwarzafrika« im Norden ziehen kann, das dann aber Schauplatz von Kämpfen zwischen den verbleibenden »nichtschwarzen« Berbern und den Arabern werden würde.


Ich finde das schon heftig. Ob es stimmt oder Verschwörungstheorie ist? Die nahe Zukunft wird es zeigen.
People who lie to others have merely hidden away the truth, but people who lie to themselves have forgotten where they put it.
Benutzeravatar
Britta
 
Beiträge: 2452
Registriert: Samstag 3. Juli 2010, 14:09

Re: Libyen-Krise

Beitragvon Britta » Dienstag 8. November 2011, 21:44

Lt. UN-Resolution 1973 waren keine Bodentruppen erlaubt. Vielleicht waren ja aber nur NATO-Bodentruppen gemeint?

http://www.guardian.co.uk/world/2011/oc ... ls-support

Qatar admits sending hundreds of troops to support Libya rebels

Qatari chief-of-staff reveals extent of involvment, saying troops were responsible for training, communications and strategy



* News
* World news
* Libya

Qatar admits sending hundreds of troops to support Libya rebels

Qatari chief-of-staff reveals extent of involvment, saying troops were responsible for training, communications and strategy

Qatar has admitted for the first time that it sent hundreds of troops to support the Libyan rebels who overthrew Muammar Gaddafi's regime.

The Gulf state had previously acknowledged only that its air force took part in Nato-led attacks.

The revelation came as Qatar hosted a conference on the post-Gaddafi era that was attended by the leader of Libya's ruling National Transitional Council, Mustafa Abdel-Jalil, who described the Qataris as having planned the battles that paved the way for victory.

Abdel-Jalil also said he was asking Nato to extend its mission beyond the end of the month, when it had been due to end, until the end of the year. Help was needed because regime loyalists posed a threat from neighbouring countries, he said.

Es sollen bis zu 5000 Mann gewesen sein, die da als "Rebellen" kämpften. Sie kamen auch mit Panzern über die tunesische Grenze.

Von wegen libyscher Volksaufstand...

Es waren auch Truppen aus Jordanien beteiligt und sogar Kolumbianer sollen in Libyen gekämpft haben.
People who lie to others have merely hidden away the truth, but people who lie to themselves have forgotten where they put it.
Benutzeravatar
Britta
 
Beiträge: 2452
Registriert: Samstag 3. Juli 2010, 14:09

Re: Libyen-Krise

Beitragvon Britta » Montag 14. November 2011, 21:51

Hier mal der Bericht eines italienischen Journalisten, der in Libyen war. Keine VT-Seite:

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16526&css=print

Dieses Mal haben wir es geschafft, nach Libyen zu reisen und auch wieder zurückzukom- men. Ich gebrauche das „wir“ nicht im Sinne eines Pluralis Majestatis, sondern meine damit mich und meine AK-47, eine Kalschnikow mit dem Namen Sony. Statt auf Dinge zu schießen, fängt sie diese ein und hält sie auf Bildern fest, damit die Wahrheit auf die Lügen, die weltweit verbreitet werden, wie schwefeliger Hagel niederprasseln kann. Diese Lügen haben eine Welt von Maulhelden, Fettsäcken, linken Schurken, Feiglingen, insgeheim Zustimmenden dazu gebracht, teilnahmslos, mit vorgetäuschter Besorgnis oder ein wenig Bauchschmerzen, zuzuschauen, wie ein großes Land zerstört, ein Führer, der besser ist als jeder andere in der heutigen arabisch-afrikanischen Welt und in keiner Weise verglichen werden kann mit dem Bodensatz, der die „internationale Gemeinschaft“ regiert, dämonisiert wird, und wie der Angriff auf das Leben eines souveränen und freien Volkes erfolgt.


Ich war in dieser Nacht mit meinen Gedanken bei den sieben Zivilisten, die in Khellat Al Ferjan, einem Vorort von Tripolis, die vom „United Protector“ massakriert worden waren. Die Leute baten uns, der abgestumpften Außenwelt, die sich vom Ammenmärchen der „humanitären Hilfe“ einlullen lässt, mitzuteilen, dass es eine Rafale (ein Mehrzweckkampfflugzeug des französischen Herstellers Dassault Aviation) Sarkozys war, die ihre verbrannten Knochen für Allahs Paradies gerettet hatte. Es waren Frauen und Kinder.


Wir haben uns mit der libysche Bevölkerung getroffen, mit Studenten, Frauen, Bauern, Hirten, Stammeshäuptern, Arbeitern, Anwälten, Richtern, Kaufleuten, fliegenden Händlern, Ministern, Regierungssprechern, einem Volk von Freiheitskämpfern. An jedem Platz, den strategischen Punkten der Städte und im Land sahen wir Gruppen von Freiwilligen, junge und ältere Leute, häufig junge Frauen. Sie waren alle bewaffnet, in kleinen Gruppen als menschlicher Schutzschild zur Verteidigung ihres Landes. Wann immer wir bei unserem Herumfahren zu ihrer Überraschung auf sie stießen, kam es zu spontanen überschwänglichen Kundgebungen. Dabei zeigten sie ihre Entschlossenheit zum Widerstand, schmähten die Aggressoren, machten ihre Verbundenheit mit Gaddafi und dem Vaterland, das er aufgebaut hat, deutlich. 42 Jahre an der Spitze Libyens! Was für ein antidemokratischer Skandal! Die bürgerliche kapitalistische Diktatur, die mit der Manipulierung bei den Kindern beginnt, zieht die eigene Kontinuität vor.


Von wegen nur 40 Jahre: Eine einzige Ideologie, dafür von verschiedenen Personen verkündet. „Allah – Muammar – ua Libia – ua bas“ ist der Slogan, mit dem die breite Mehrheit der Bevölkerung für die drei zentralen Werte des Widerstandes („Gott, Gaddafi, Libyen, das genügt!“) kämpft



Libyen braucht keine Söldner. Es hat ein Volk unter Waffen, das einen sechs Monate dauernden Wehrdienst absolviert, einen Monat jedes Jahr Wehrübungen betreibt, seine jungen Männer und Frauen von der Schule an für die Verteidigung ihres Vaterlandes ausbildet. Auch von ihnen trafen wir viele auf dem großen Platz von Bab el Aziza, unter den Palmen und Trümmern der zerstörten Gebäude. Manche waren von weit her aus der Wüste mit ihren Trommeln angereist, seit Wochen in Zelten, Tausende Frauen jeden Alters, verhüllte Mädchen neben Jugendlichen in Blue Jeans, Leute aus den Vorstädten, Freiberufler, Studenten, Nomaden der Kabyle.

Nacht für Nacht fordert diese riesige Menschenmenge die Serienkiller in ihren Flugzeugen heraus. Hier befindet sich eine große Bühne für Kampfes- und Liebeslieder, für Reden und Aufrufe. Immer wieder sind Slogans zu hören, Fotos von Muammar zu sehen, die lächelnde Mütter mit ihren Kindern im Arm hochhalten. Überall sind Menschen, die eingehakt in traditioneller Weise tanzen. Ich muss mich an die ersten Zeiten der bolivarischen Revolution des Hugo Chavez zurückerinnern, um eine solche Ansammlung von Kraft, Optimismus, Enthusiasmus und Entschlossenheit, zu finden, was immer es kosten mag.


Viele erzählten uns, wie sie in den Tagen Mitte März, als alle Welt davon sprach, Gaddafi würde die Bevölkerung in Tajura, Fajlun und Suk Jamal ermorden, Freunde und Verwandte ganz erschrocken von überall her anriefen. Sie wollten sich vergewissern, dass sie noch lebten. In der Anti-Gaddafi-Hysterie drohte völlig unterzugehen, dass sie am Leben waren. Verwundert hätten sie geantwortet, es sei nichts geschehen. Alles sei ruhig.


Im tiefen Süden zwischen den roten Dünen und den bebauten Ländereien, in Ben Walid, empfangen uns die Häupter des größten libyschen Stammes, der Worfalla. Wie alle anderen Stämme sind sie, abgesehen von einigen Ausnahmen in der Cirenaica und verstreuten Minderheiten, vollständig auf der Seite der legitimen Regierung. Zu ihnen gehören mehr als 1,5 Millionen Menschen, fast ein Fünftel der Bevölkerung. Sie erklären, sie seien bereit, sich bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen, selbst wenn es, wie es aussieht, ein lang andauernder Krieg werden sollte.


Und wieder hören wir Berichte von ihrem Widerstandskampf, tief betroffene Verwunderung über das „befreundete Italien“, und an die Adresse der Geier gerichtet, die über Libyen kreisen und sich auf seine Reichtümer stürzen wollen, ein deutliches: „Sie werden nicht obsiegen“.

Ein alter Mann berichtet liebevoll über seine italienische Lehrerin in der Kolonialzeit. Er tut das aus Freundlichkeit, um es für uns leichter zu machen, angesichts der Scham, die wir für die Verbrechen unseres Landes empfinden. Ein dümmlicher Landsmann schwatzt von den Wohltaten des italienischen Kolonialismus. Ein Drittel des libyschen Volkes wurde damals in Lagern und mit Gas getötet. Das bringt ihn zum Schweigen.


Auf der anderen Seite des Meeres spricht man von nichts anderem als den Zivilisten, auf die die Milizen Gaddafis schießen würden. Aber nicht vor ihnen sind diese 400 Familien aus Misurata geflohen, sondern vor den ständigen, immer wieder plötzlich kommenden Luftangriffen auf die Stadt. Geflohen sind sie auch vor den bärtigen Salafiten. Die „humanitären Helfer“, die im Hafen an Land gegangen sind, liefern ihnen zur Unterstützung Raketenwerfer und Mörser. In den Umkleideräumen der Mannschaft tragen sie Lebensmittel und Kleidung zusammen, Spenden der Bewohner der Zone für die Flüchtlinge.

Grundschulen, höhere Schulen, Schulen mit Jungen und Mädchen, sie alle lassen auch unter dem Hagel der Bomben keine Stunde Unterricht ausfallen. Die Großen sind in Uniform. Alle haben eine Ausbildung für die Verteidigung absolviert, alle wissen, leichte und schwere Waffen zu handhaben. Seltsamerweise sind es in jeder Schule Frauen, darunter auch ältere, die diese Kurse abhalten. Es gibt keinen, der nicht sagt, er sei bereit, das Land zu verteidigen. „Wenn sie landen, werden sie sich einem ganzen Volk gegenübersehen“.


Dieser Priester, der sein Volk, Christen wie Moslems liebt und ihm seit 40 Jahren dient, zeigte keine priesterliche Zurückhaltung, als er uns Gaddafi und sein Volk beschrieb: Ein Land, das es nicht akzeptiert hatte, sich zu unterwerfen, das sich eingesetzt hatte für die Einheit der Völker, sich ausländischem Einfluss und Diktat entzog, allen Wohlstand garantierte, Sicherheit, Würde und eine breite Teilnahme an den Entscheidungsprozessen ermöglichte. Gaddafi mag Fehler gemacht haben. Vielleicht seien sie darauf zurückzuführen, dass er nicht immer die besten Leute um sich auswählt habe. Niemand aber könne ihm die Anerkennung dafür verweigern, dass er Reaktion und Reaktionäre, Kolonialisten und Neokolonialisten verjagt und sich seinem Volk mit Hingabe und Klugheit gewidmet habe. In einer Region von Lakaien und Prokonsuln des Imperialismus gäbe es niemanden, den man mit ihm nur im Entferntesten vergleichen könne.

Wenn das sogar ein katholischer Priester sagt. Von Martinelli habe ich auch gelesen.

„Die Befürworter eines Verzichtes von Gaddafi sollten sich nicht täuschen. Ein Führer kann nicht zurücktreten, wenn das Volk von ihm verlangt, dass er bleibt. Abgesehen davon, Gaddafi ist kein Typ, der sich ergibt, er ist ein Beduine, der bis zu seinem Tode kämpfen wird.“ Mit ihm Libyen, ihr werdet es sehen. Der kleine Priester mit dem quadratischen Schädel eines Bauern und den lächelnden Augen verabschiedet seine Besuchergruppe mit Tränen in den Augen.
People who lie to others have merely hidden away the truth, but people who lie to themselves have forgotten where they put it.
Benutzeravatar
Britta
 
Beiträge: 2452
Registriert: Samstag 3. Juli 2010, 14:09

Re: Libyen-Krise

Beitragvon ralfkannenberg » Dienstag 15. November 2011, 10:55

Britta hat geschrieben:Hier mal der Bericht eines italienischen Journalisten, der in Libyen war. Keine VT-Seite:

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16526&css=print

Dieses Mal haben wir es geschafft, nach Libyen zu reisen und auch wieder zurückzukom- men. Ich gebrauche das „wir“ nicht im Sinne eines Pluralis Majestatis, sondern meine damit mich und meine AK-47, eine Kalschnikow mit dem Namen Sony. Statt auf Dinge zu schießen, fängt sie diese ein und hält sie auf Bildern fest, damit die Wahrheit auf die Lügen, die weltweit verbreitet werden, wie schwefeliger Hagel niederprasseln kann. Diese Lügen haben eine Welt von Maulhelden, Fettsäcken, linken Schurken, Feiglingen, insgeheim Zustimmenden dazu gebracht, teilnahmslos, mit vorgetäuschter Besorgnis oder ein wenig Bauchschmerzen, zuzuschauen, wie ein großes Land zerstört, ein Führer, der besser ist als jeder andere in der heutigen arabisch-afrikanischen Welt und in keiner Weise verglichen werden kann mit dem Bodensatz, der die „internationale Gemeinschaft“ regiert, dämonisiert wird, und wie der Angriff auf das Leben eines souveränen und freien Volkes erfolgt.

Hallo Britta,

das mag zwar irgendwie witzig sein, aber seriöse Berichterstattungen verwenden eine andere Wortwahl ...


Freundliche Grüsse, Ralf
Benutzeravatar
ralfkannenberg
 
Beiträge: 4910
Registriert: Montag 24. Oktober 2011, 20:25

Re: Libyen-Krise

Beitragvon Der_Dscho » Dienstag 15. November 2011, 12:48

Hi Ralf,

ralfkannenberg hat geschrieben:das mag zwar irgendwie witzig sein, aber seriöse Berichterstattungen verwenden eine andere Wortwahl ...


Herr G. aus L. scheint ja ein richtiger Wohltäter der Menschheit gewesen zu sein:
http://haraldpflueger.com/de/blog/libye ... byen-.html

Ich frage mich jetzt nur, warum seine Untertanen solche Wohltaten mit Waffengewalt ablehnen? Eigentlich müsste doch jeder halbwegs vernunftbegabte Mensch den Wunsch verspürt haben, dort zu leben. Oder?

(Achtung, es könnte Ironie enthalten sein. Bei Problemen bitte den Ironiedetektor benutzen. :) )

Dscho
Sind des Schäfchens Locken braun, lehnt's wohl am Elektrozaun.
Und wenn es mit den Augen rollt, hat der Zaun zu viele Volt.
- Volksmund -
Benutzeravatar
Der_Dscho
 
Beiträge: 248
Registriert: Freitag 9. September 2011, 21:58
Wohnort: Sonne, 3. Planet links

Re: Libyen-Krise

Beitragvon Britta » Dienstag 15. November 2011, 13:04

ralfkannenberg hat geschrieben:Hallo Britta,

das mag zwar irgendwie witzig sein, aber seriöse Berichterstattungen verwenden eine andere Wortwahl ...


Freundliche Grüsse, Ralf

Hallo Ralf,

eine Übersetzungen aus dem italienischen mag für uns ungewöhnlich klingen, aber ist sie deswegen unseriös?

War der Journalist unseriös, als er für RAI u.a. gearbeitet hat?
People who lie to others have merely hidden away the truth, but people who lie to themselves have forgotten where they put it.
Benutzeravatar
Britta
 
Beiträge: 2452
Registriert: Samstag 3. Juli 2010, 14:09

VorherigeNächste

Zurück zu Aktuelles & Nachrichten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

cron